Filmtipp!

Filmtipp 8/2010: Boulevard der Dämmerung (USA 1950, Billy Wilder)

Ein Film, den man gesehen haben sollte, ist Billy Wilders 8. Film als Regisseur, eine Tragödie über und in der Traumfabrik Hollywood. In schwarz-Weiss gedreht, erwartet den Zuschauer eine Art "Film-Noir", wobei die Bezeichnung nicht so ganz trifft.

Denn Boulevard der Dämmerung handelt zwar von einem Mord, jedoch dies eher am Rande (nämlich am Anfang und am Ende) - interessanterweise erzählt der Hauptdarsteller, der anfangs ermordet wurde, die Handlung qausi aus dem Jenseits.

In Hollywood ist der Drehbuchautor Joe Gillis (William Holden) nur wenig erfolgreich. Beim Versuch, sein Auto vor der Pfändung zu retten, landet er auf einem alten Anwesen am Sunset Boulevard (dem Boulevard der Dämmerung), in dem die längst vergessene Stummfilmdiva Norma Desmond (Gloria Swanson) mit ihrem merkwürdigen Butler residiert. Norma, eine in sich selbst verliebte, in ihre Vergangenheit eingeschnürte, weil von der Filmindustrie fallen gelassene Diva kämpft einen völlig aussichtslosen Kampf gegen den: Ton. Der Ton ist für Norma die Ankündigung des Todes, des Verfalls; sie gibt sich der Illusion hin, den Ton zum Schweigen zu bringen. Als Gillis den willkommenen Job annimmt, kann er noch nicht ahnen, wie tief er sich bald in ein Netz aus Abhängigkeit, Ehrgeiz und Wahnsinn verstricken wird.

Billy Wilder schafft in diesem Meisterwerk eine unglaublich dichte Atmosphäre und teilweise erinnert der Film wegen der düsteren Stilmittel und grotesken und bedrückenden Szenen auch an eine Art Horrorfilm.

Der Film hat unglaublich viele Anleihen an die Realität. So ist der Stummfilm, der in einer Szene von Boulevard der Dämmerung gezeigt wird, Erich von Stroheims "Queen Kelly" aus dem Jahr 1929 mit Gloria Swanson in der Hauptrolle. Der unvollendete Film war seinerzeit ein finanzielles Fiasko und wurde in den USA erst 1985 veröffentlicht. Alle Bilder, die in Norma Desmonds Haus zu sehen sind, sind Privat- oder Werbefotos ihrer Darstellerin. Auch Cecil B. DeMille, der Anfang der 1920er Jahre mehrmals mit Gloria Swanson gearbeitet hatte und als ihr Förderer galt, spielt sich selbst. Weitere Informationen sind auf wikipedia abrufbar.

Insgesamt wirklich ein Film, den man gesehen haben sollte. Das Lexikon des Internationalen Films sagt: "Der meisterhaft inszenierte und fotografierte, glänzend gespielte Film kratzt ironisch am Glamour-Mythos Hollywoods und ist doch zugleich ein Teil davon.". 1998 wählte das American Film Institute den Film auf Rang 12 der besten amerikanischen Filme aller Zeiten, 2007 landete der Film in der gleichnamigen Liste auf Platz 16.

Also, DVD besorgen und viel Vergnügen!!!



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